„It’s just a jump to the left“

„The Rocky Horror Picture Show“ in Paris bedeutet: Rote Lippen, eine Tüte Reis und ein Abend voll Irrsinn und Rock ’n‘ Roll!

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Der Tag neigt sich dem Ende, doch wir haben noch einen Termin in einer kleinen Straße unweit von Notre Dame. Wir sind vorbereitet: Eine halbe Packung Reis, eine Zeitung, eine Rolle Klopapier und ein Feuerzeug haben wir im Gepäck. Die Wasserflasche haben wir vergessen und zwei Tröten schnurren wir uns noch schnell von unserem Vordermann, als wir uns in die Schlange vor dem Studio Galande einreihen. Um 22 Uhr öffnen sich die Türen und ein paar schrille Gestalten führen uns in den kleinen Vorführungsraum mit der weißen Leinwand: „Madness takes its toll“. Danach gibt es eine kurze Einweisung, an welcher Stelle der Reis geworfen wird, was wann gerufen werden muss und so weiter. Als dann endlich die knallroten Lippen auf der Leinwand erscheinen und „Science Fiction – Double Feature“ singen, legt eine der Laienschauspielerinnen einen kurzen Strip auf der Bühne hin und die „Rocky Horror Picture Show“ kann beginnen.

Bereits bei der Hochzeitsszene taut das anfänglich zaghafte Publikum auf und wirft mit Reis um sich. Als danach das Auto mit Janet und Brad im Regen liegen bleibt, versinkt der Saal in einer Wasserschlacht. Unsere Zeitung hält den kalten Wasserfontänen bald nicht mehr stand, doch können wir uns beim „Time Warp“ tanzen wieder aufwärmen.

Der Film gehört seit den 70er Jahren zum festen Repertoire des kleinen Programmkinos Studio Galande und wird seitdem jedes Wochenende freitags und samstags gezeigt. Eine Laienschauspielgruppe untermalt und übermalt die schrillen Szenen und animiert das Publikum zum mitmachen. Wer von den Lesern hier nichts mit der „Rocky Horror Picture Show“ anfangen kann, den möchte ich Sharmans und O’Briens Kultfilm mit einer Mischung aus Trash, Horror, Sex und Rock ’n‘ Roll und Hommage an das B-Movie, wärmstens ans Herz legen. Ein Abend im Studio Galande ist allerdings nicht dafür da, den Film in seinem vollen Umfang zu betrachten oder auch noch zu verstehen, sondern zu feiern, zu tanzen und zu singen. Die Schauspieler tun ihr übriges, parodieren die Szenen und entkleiden auch mal ein paar Zuschauer bis auf die Unterwäsche.

Nach der Vorstellung taumeln wir lachend aus dem Kino und wandern noch ein bisschen durch die nächtlichen Straßen von Paris. In unseren Ohren klingt noch „Let’s do the time warp again!“ und in unseren Haaren hängen Reiskörner.

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Text + Fotos: E. Kelpe

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