Rendez-vous mit Hitchcock

Die Cinémathèque Paris lässt uns in die Welt der Leinwandzauberei eintauchen. Dabei treffen wir auch auf die Kuriositäten des Master of Suspense.

Wir suchen nun den Ort auf, der auch „Gedächtnis des Kinos“ genannt wird, an dem die Regisseure der Nouvelle Vague zwischen tausenden Zelluloidrollen in die Schätze des Films eintauchten und Relikte von einer Zeit erzählen, als das Kino noch als fantastisches Lichtspiel von Durchreisenden einem staunenden Publikum präsentiert wurde. Wir stehen vor einem voluminösen Gebäude aus verspielten Formen und Glasfronten: Der Cinemathèque française.  Frank Gehrys Handschrift ist unverkennbar.

Im Jahre 1936 wurde die Cinémathèque von ein paar enthusiastischen Cineasten ins Leben gerufen, die akribisch Filmrolle, Requisiten, Plakate  und Projektoren sammelten. Der Großteil der beachtlichen Sammlung hat  die Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg standgehalten und der drohenden Schließung in den 60ern, die durch Proteste aufgehalten wurde. Heute verschreibt sich die Cinémathèque française weiterhin der Erhaltung der Filmkultur, beherbergt ein Programmkino, wechselnde Ausstellungen, eine Bibliothek, ein Museum, ein Filmarchiv und restauriert jährlich um die 200 Filme.

Wir besuchen das Museum und tauchen ein in die faszinierende Geschichte der Lichtspiele, der tanzenden Bildern und großen Illusionen. Zwischen hundert Jahre alten Cinématographen, Laterna Magicas und Filmprojektoren streifen wir durch die Museumsräume, bestaunen einige der ersten Filmsequenzen, alte Filmplakate und Requisiten. In einer Vitrine sind die Kostüme aktueller Filme ausgestellt. Gerade sind die Kostüme der Neuverfilmung  des Satirestücks „Journal d’une femme de chambre“ zu sehen. Darunter das dunkelblaue Zimmermädchenkleid, das Léa Seydoux im Film trägt, während sie die Strukturen der feinen Bourgeoisie entlarvt.

Doch in der hintersten Ecke entdecken wir ein besonderes Relikt, die Pointe eines der einflussreichsten Horrorstreifen der Filmgeschichte: Wir treffen Norman Bates Mutter. Die legendäre Szene am Ende von Alfred Hitchcocks „Psycho“, als der Stuhl mit der mumifizierten Mutter sich dreht und Bates im Frauenkostüm den Wahnsinn seiner gespaltenen Persönlichkeit verkörpert, bleibt ein unvergessener Moment in der Filmgeschichte. Nun starrt uns der schaurige Kopf mit den dunklen Augenhöhlen und der grauen Perücke aus der Vitrine an. Ein Rendez-vous der besonderen Art.

IMG_3728

Text + Fotos: E. Kelpe

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s