Plastikschinken und Bonbontarte

Drei-Gänge-Menü in der Lyoner Altstadt im klassischen Bouchon ist auch ein bisschen gespielte Authentizität. Essen ist aber trotzdem gut.

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Als mein Begleiter mir sagt, dass wir in einen „Bouchon“ gehen, bin ich zunächst verwirrt. Das französische Wort war mir vor allem als „Verkehrstau“ oder „Korken“ bekannt. Wenn man im Lexikon nachschlägt, ist die Liste der Bedeutungen noch durchaus länger: Ein Schwimmer beim Angeln, eine Gemeinde in Nordfrankreich, ein Kosename für Kinder… und ein Restaurant, das typische Lyoner Speisen serviert. Wo genau die Bezeichnung herkommt, ist nicht ganz klar. Es wird aber vermutet, dass sich das Wort vom altfranzösischen „bousche“ ableitet, was gebündeltes Geäst oder Stroh bezeichnet. Früher hingen die Wirte zusammengebundene Äste an ihre Türen, um ihre Wirtstube als solche kenntlich zu machen. Der Name „Bouchon Lyonais“ ist heute ein Label für die Lyoner Küche.

So landen wir letztendlich nicht im Verkehrstau, sondern in einem urigen Restaurant in der Lyoner Altstadt. Es ist ein bisschen eng, ein bisschen hektisch und ein bisschen laut. An den Balken hängen Plastikschinken und schwarz-blaue Weintrauben, um einen typischen Charme zu zaubern und ein bisschen Authentizität vorzugaukeln. Aber wir stören uns nicht daran und zwängen uns an einen kleinen Tisch. Wir bestellen uns jeder ein Drei-Gänge-Menü, die recht günstig in solchen Restaurants angeboten werden.

Der Kellner balanciert die Vorspeise in Rekordzeit an unseren Tisch: Salade lyonnaise. Auch wenn die Kruste des Baguettes ein wenig angebrannt ist, schmeckt der Salat köstlich. Ein Spiegelei zerläuft über salzigen Speck mit knusprigen Croutons auf frischen Salatblättern.

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Wenn ich mit den Namen auf französischen Speisekarten nichts anfangen kann, bestelle ich einfach auf gut Glück. Schließlich ist das Entdecken der Landesküche unabdinglich beim Reisen. So ordere ich mir als Hauptgang ein „Quenelle“, ohne eine geringste Ahnung davon zu haben, worum es sich dabei handelt. Als das Quenelle meinen Tisch erreicht, finde ich eine Art gebackenen Grießrei vor, der nach Fisch schmeckt. Interessant und vor allem lecker.

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Das Dessert kommt in Form einer knallpinken Tarte. Eine „Tarte pralinée“ hat also nichts mit Schokoladenpralinen zutun, sondern mit kandierten Früchten. So schmeckt der Nachtisch nach zuckersüßem Bonbon und rundet unseren Streifzug der Lyoner Küche ab.  Wir trinken danach noch schnell einen Espresso und machen uns dann auf den Weg. Am Eingang des Bouchon bildet sich ein Stau.

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Text + Fotos: E. Kelpe

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